Die bessere Wahl?

Noch knappe vier Wochen lang dauert einer der dreckigsten, umstrittendsten und verwirrendsten Wahlkämpfe um das Amt des mächtigsten Menschen der Welt – das der US-Präsidentin bzw. des US-Präsidenten. Sowohl Hillary Clinton als auch Donald Trump haben sich nur wenig mit Ruhm, sonderen eher mit Schmutz bekleckert, und außer der schon vor dem Start der Kampagnen fest Entschlossenen scheinen sich viele US-Amerikaner noch heute zu fragen, ob überhaupt und wenn ja, wen sie wählen sollen.

Die unvergleichliche Machtfülle, die das Büro im Oval Office mit sich bringt, hat schon seit jeher Film- und Serienmacher inspiriert, ihre ganz eigenen Versionen des Commander in Chief ins Weiße Haus zu bringen. Der Oldennerd, dieses Mal in Person von Online-Praktikant Douglas Becker und Redakteur Björn Buske, stellt zehn von ihnen zur Wahl. Ob sie es wirklich besser können?

Eure Stimme könnt ihr gerne in den Kommentaren abgeben.

 

ACHTUNG: DIESER OLDENNERD BEHANDELT EINIGE FILME UND SERIEN INHALTLICH UND KANN DAHER SPUREN VON SPOILERN ENTHALTEN!

 

Peter Sellers – Merkin Muffley (Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte die Bombe zu lieben)

Zitat: „Gentlemen. Sie können hier drin nicht kämpfen. Das ist der Kriegs-Raum.“

Bescheiden, ruhig, gutmütig – und offensichtlich ein bisschen überfordert: Merkin Muffley muss/soll/will als US-Präsident in Stanley Kubricks Kalter-Krieg-Persiflage „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte die Bombe zu lieben“ den Dritten Weltkrieg verhindern, wird aber besonders von seinen Generälen ausdauernd bequatscht und muss sogar den Sowjetischen Machthaber am Telefon trösten. Peter Sellers, der in diesem Film gleich drei Rollen verkörpert, stellt den Commander in Chief so wunderbar verkniffen und unsicher dar, dass man sich fast nach einem starken Mann sehnt. Aber eben nur fast.

Julia Louis-Dreyfus – Selina Meyer (Veep)

Zitat: „Tja, ich bin Präsident. Alles ist jetzt meine Schuld.“

Wer sagt denn, dass PräsidentInnen nicht auch mal ganz schön verplant sein dürfen. Selina Meyer, eigentlich laut Serientitel Vize-Präsidentin, schafft es im Verlauf von „Veep“ doch noch bis ganz an die Spitze – ihrer eigenen und der Trotteligkeit ihrer Mitarbeiter zum Trotz. Und irgendwas muss dran sein, schließlich hat die Serie auch im „echten“ Washington viele Fans, die zu Protokoll geben, sich teils selbst in den Figuren wiederzuerkennen.

Kevin Spacey – Francis Underwood (House of Cards)

Zitat: „Wissen sie, was ich an den Menschen mag? Sie sind so leicht zu manipulieren.“

Wüssten wir nicht, welch ein manipulatives, hinterlistiges und mörderisches Biest Francis „Frank“ Underwood ist: Wir würden ihn wahrscheinlich wählen. Denn wie Kevin Spacey seinen Südstaaten-Demokraten immer wieder zwischen Zuckerbrot und Peitsche wechseln lässt, alle anderen gegeneinander ausspielt und sich immer wieder aus schier ausweglosen Situationen herausmanövriert – das ist feinstes Polittheater auf die Spitze getrieben.

Jack Nicolson – James Dale (Mars Attacks)

Zitat: „Wieso können wir nicht alle miteinander… glücklich sein?“

Amerikanische Präsidenten werden häufig als kriegsaffin dargestellt. Dies gilt jedoch nicht für Präsident James Dale, der von Anfang an versucht, eine diplomatische Lösung für den Überfall der Außerirdischen vom Mars zu finden. Der Erfolg dieses Vorhabens stellt sich jedoch als eher mäßig heraus – schließlich massakrieren die Aliens nicht nur Tausende Menschen und löschen eine Stadt nach der anderen aus – Mr. President muss auch selbst dran glauben. Vorher bringt er dennoch einen General der US-Armee  lautstark davon ab („Shut up! Shut up, shut up!), die Marsbewohner noch im Orbit mithilfe von nuklearen Langstreckenraketen anzugreifen.

 

James Earl Jones – Douglass Dilman (The Man)

Zitat: „Schwarze Männer zünden keine Kirchen an und töten vier Kinder; sie erschießen nicht Martin Luther King mit einem Scharfschützengewehr. Leidenschaft mag Sie auf der Straße Steine werfen lassen, aber eine Waffe zu kaufen,  sich ein Alibi zu verschaffen und 5000 Meilen zu reisen, um einen anderen Menschen zu töten – das ist kaltblütig und zeugt von den verzerrten moralischen Vorstellungen eines Adolf Eichmann.“

Ein Mann, eine Stimme: James Earl Jones kommt 1972 als Douglass Dilman durch eine Reihe tragischer Umstände ins Oval Office, soll dort aber erst einmal nur die Marionette für den Außenminister spielen, der seinerseits Ambitionen auf das höchste Amt hegt. Bald aber merkt Dilman, dass er nur für seine eigenen Entscheidungen gerade stehen will und verfolgt seine eigene Agenda. In einem immer noch von Rassismus geprägten Land gerät er als schwarzer Mann dabei schnell zwischen die Fronten, seine eigene Familie entfremdet sich und er muss einige unangenehme Entscheidungen treffen wie die Auslieferung eines des Mordes bezichtigten Schwarzen an das Apartheid-Regime in Südafrika.

Martin Sheen – Joshia “Jeb“ Bartlet (The West Wing)

Zitat: „Ich könnte vor Freude hüpfen“ – „Ich könnte sie töten“ – „Meine Sache klingt nach mehr Spaß“

Die gute Seele. Ein Staatslenker, der auch schon mal Kekse mit ins Büro bringt. „Jeb“ Bartlet ist der großväterliche Kuschelbär unter den US-Präsidenten: Manchmal ein bisschen verwirrt, eher von schlichtem Gemüt, beängstigend bibelfest, aber mit dem Herzen am rechten Fleck – wie konnte so jemand nur der mächtigste Mann der Welt werden?

 

Kevin Kline – David Kovic (Dave)

Zitat: „Es gibt ein paar Dinge, die Sie von ihrem Präsidenten erwarten sollten. Ich sollte mich mehr um Sie sorgen als um mich. Ich sollte mich für das einsetzen, was richtig ist, nicht für das, was populär ist. Ich sollte bereit sein,  das alles hier aufzugeben für etwas, an das ich wirklich glaube.“

Eigentlich soll Dave Kovic den US-Präsidenten, dem er zum Verwechseln ähnlich sieht, nur für ein paar Stunden vertreten, während der sich mit seiner Sekretärin vergnügt. Als der dabei allerdings einen Schlaganfall erleidet, muss Kovic „richtig“ regieren. Dabei ist er viel zu gutmütig und scheint zunächst ein leichtes Opfer für die eigentlichen Strippenzieher zu sein. Irgendwann lernt aber auch er, mit Schmutz zu werfen. Das Ganze ist als Komödie inszeniert, bekommt aber heute, da ein politischer Amateur sich aufmacht, das Weiße Haus zu erobern, fast traurige Aktualität. „Dave“ ist allerding sehr viel sympathischer als Donald.

Terry Crews – Dwayne Elizondo Mountain Dew Herbert Camacho (Idiocracy)

Zitat: ,,Shit. I know shit’s bad right now. With all that starving bullshit.”

Mit diesen Worten eröffnet Präsident Dwayne Elizondo Mountain Dew Herbert Camacho seine Rede vor der zusehends verdummten amerikanischen Bevölkerung. Wenngleich der von Terry Crews porträtierte Politiker nicht unbedingt in heutige politische Verhältnisse passt, so leitet er die Bevölkerung der dystopischen, 500 Jahre in der Zukunft liegenden Vereinigten Staaten von Amerika dennoch so, wie die Lage, in der die Nation sich befindet, es verlangt. Wie lassen sich schließlich Staubstürme verhindern? Mehr Gewalt im Fernsehen! Und wie löst man die Nahrungsmittelknappheit der fiktiven USA? Ganz genau! Man bewässert die Pflanzen mit dem Sportgetränk „Brawndo“.

Lloyd Bridges – Thomas „Tug“ Benson (Hot Shots 2)

Zitat (in der Rede für den japanischen Botschafter): „Es kommt mir vor wie gestern, als ich Ihre Häuser niederbrannte und heute stehe ich vor Ihnen und bitte Sie, nicht so gute Autos zu bauen.“

Quasi runderneuert und so gut wie unzerstörbar: Präsident Thomas „Tug“ Benson besteht nach seinen zahlreichen Front-Einsätzen eigentlich nur noch aus kuriosen Ersatzteilen. An Dämlichkeit und Slapstik kaum zu überbieten, kämpft er als „The simple solution“ um seine Wiederwahl. In einer internationalen Geiselkrise also genau der Mann, den man nicht in entscheidender Position haben möchte. Zu guter Letzt aber eben doch genau der Richtige am richtigen Ort. Ich meine: Immerhin bringt er Saddam zur Strecke.

Brain – Präsidentschaftskandidat John Brain (Animaniacs)

Zitat: „Put the right mouse in the White House“

Im Zuge von Brains ewig währendem Plan, die Weltherrschaft an sich zu reißen, schaffen er und Trottel-Kumpel Pinky es zumindest, sich in den Wahlkampf um die Präsidentschaft in den USA einzuschleusen. Brain tritt als Kandidat John Brain auf und nominiert Pinky als Vize. Diese eigentlich eher zwielichtig anmutende Aussage von ,,presidential candidate John Brain“ wird von den Zuschauern, die seine Fernseh-Werbespots sehen, jedoch als wohlwollend interpretiert. ,,He means jobs. Jobs for everyone!“ Und jetzt mal kurz nachgedacht… an welchen real existierenden Präsidentschaftskandidaten erinnert der Masterplan, Amerika wieder mit Jobs zu überhäufen?
Da Brain dennoch im Herzen eine gute Labormaus ist und seine anderen politischen Vorhaben wie Steuersenkung und das Ausgleichen des wirtschaftlichen Defizits durchaus Substanz haben, darf er auf dieser Liste nicht fehlen. Auch, wenn er aufgrund seiner tierischen Existenz abgelehnt wird.

Bild: Netflix

Björn

Björn

Serienaficionado, Gamefanatic, Musiknerd und bekennendes Web 2.0-Opfer mit einer besonderen Vorliebe für jedweden Schwachsinn, den das Netz zu bieten hat.
Björn