Review „The Big Short“: Verfluchte Gegenwette

In this image released by Paramount Pictures, Christian Bale appears in a scene from "The Big Short." Bale was nominated for an Oscar for best supporting actor on Thursday, Jan. 14, 2016, for his role in the film. The 88th annual Academy Awards will take place on Sunday, Feb. 28, at the Dolby Theatre in Los Angeles. (Jaap Buitendijk/Paramount Pictures via AP)

Einmal im Leben eine spektakuläre Sache als Erster wittern. Ein großes Ding daraus drehen – wer träumt nicht von so etwas? Einen solchen Deal, der einem das ganz große Geld in die Kasse spült, hat der US-Regisseur Adam McKay zum Thema gemacht. Brutaler könnte dieses Finanzprojekt allerdings kaum sein. In „The Big Short“ wetten die Protagonisten in Amerika gegen die Leute von nebenan, die Masse der Eigenheim-Käufer mit ihren hohen Hypotheken: Bricht ihr Lebenstraum zusammen, steigt der Gewinn der Filmhelden ins Unermessliche. Denn auf diesen Kollaps haben sie gewettet.

Muss man sich so etwas eigentlich anschauen?

Ja, durchaus!  Das Thema, Gier und wie man reich wird, reizt ja an sich, schon seit Jahrzehnten – seit dem Geldmacht-Opus „Wall Street“ (1987) mit Michael Douglas, der als Finanzmogul Gordon Gekko systematisch Firmen auseinandernimmt, um ihre Einzelteile dann mit maximalem Profit zu verhökern.

„The Big Short“ (übersetzt etwa: Die große Wette auf fallende Kurse) ist schon speziell. Mehrmals wenden sich Akteure quasi ans Publikum. So erklärt unter anderen Starkoch Anthony Bourdain, wie man aus altem Fisch „Neues“ kreiert (wie bei faulen Hypotheken eben). Manche Handlungen brechen in der Hysterie rund um die Finanzkrise abrupt ab. Bestätigt wird: Finanzmanager sind mit einem Bein im Wahnsinn. Dabei: Die Hauptakteure des Films, der auf einem Buch von 2010 basiert, gab es so oder ähnlich auch in Wirklichkeit. Der Wichtigste von Ihnen: Oscarpreisträger Christian Bale als Hedgefondsmanager Michael Burry.

Ihn behält man nach dem turbulenten Film in Erinnerung als den, der als erster den Braten witterte: Der US-Immobilienboom Mitte des vorigen Jahrzehnts konnte so auf Dauer nicht gutgehen. Immer mehr Käufer konnten sich die erworbenen Häuser „eigentlich“ gar nicht mehr leisten, bekamen von den Banken aber leichtfertig billige Kredite aufgedrängt, sogar als Ninjas (No income/no job): Die Risiken verpackten die Banken in Finanzprodukte, die keiner mehr durchschauen konnte und die blind von Investoren gekauft wurden.

Hauptakteur Michael Burry folgt konsequent seiner Vorahnung: Irgendwann würde die Bombe platzen, irgendwann würden die vielen faulen Kredite auffliegen. Und er findet Banker, die – gegen üppige Provisionen – ihm geeignete Finanzvehikel basteln, mit denen man auf diesen Tag der großen Abrechnung wetten kann. Oft kommt dabei das Logo der Deutschen Bank ins Bild. Sie kommt im Film zu zweifelhaftem Ruhm, wie auch eine überdrehte Maklerschaft und gefällige Rating-Agenturen.

So, wie Hauptakteur Blurry machen es nur noch wenige weitere Großinvestoren, dargestellt von Brad Pitt und Steve Carell. Sie sind Exoten, sie verlieren zunächst Geld: Gegen die Masse, die die Augen vor Warnsignalen verschließt und nur eine Richtung kennt: immer tiefer hinein in die große Immobilienblase, immer höher hinauf auf der Immobilienpreis-Skala.

In dieser Phase erreicht der Film seinen Höhepunkt. Dass die Helden so lange schief liegen, dass sie fix und fertig sind, zerrt an den Nerven der Zuschauer. Dann, 2007, geht die Bombe an den Finanzmärkten endlich hoch. Immobilienmarkt, Banken und Kurse brechen zusammen. Andere aber steigen wie Raketen. Aus dem „Big Short“ wird das ganz große Geld.

Aber eigentlich haben die Falschen gewonnen, die Untergangsbeschwörer, die Kleine-Leute-Vernichter. Das ist die Botschaft, die man aus diesem dokumentarisch geprägten Actionfilm aus dem Finanzsektor mitnimmt: Während wir ganz normal zur Arbeit gehen, machen irgendwelche Rechengenies das ganz große Geld, so oder so.

Natürlich ist der Film voller sperriger Fachbegriffe, aber die muss der Zuschauer überhaupt alle nicht kennen, um das große Ganze zu durchblicken. Die derben Finanzdealer in „The Big Short“ sprechen ohnehin viel häufiger die Sprache der Flüche – und die ist auch im Orginalton gut zu verstehen.

„The Big Short“ startet am 15. Januar in den deutschen Kinos.

Rüdiger zu Klampen

Rüdiger zu Klampen

Redaktionsleiter Wirtschaft bei Nordwest Zeitung
Rüdiger zu Klampen (Krisenjahrgang 1961) ist - wenn er nicht für den Oldennerd schreibt - Leiter der Wirtschaftsredaktion der "Nordwest Zeitung". Sein Lieblingsfilm ist "Das Dschungelbuch".
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