Mach mir den Prince, Lando!

Donald Glover hat und kann einfach alles. Na gut, den Barack Obama in „Saturday Night Live“ durfte er nicht geben. Dafür war er Autor und Teilzeit-Darsteller bei „30Rock“, der grandiosen NBC-Comedy mit Alec Baldwin und Tina Fey und spielte als Troy den wohl weißesten Schwarzen, den man sich vorstellen kann in „Community“. Aktuell reimt er sich durch die Hip-Hop-Serie „Atlanta“, die er auch noch selbst entwickelt hat, und darf im noch ausstehenden Star-Wars-Spin-off rund um Millenium-Falcon-Pilot Han Solo die coolste Rolle spielen, die nach der Besetzung von Alden Ehrenreich als Han noch übrig ist: Den jungen Lando Calrissian. Billy Dee Williams wäre so stolz.

Glover ist also ein viel beschäftigter Mann. Bis vor Kurzem fiel seine Musikkarriere als „Childish Gambino“  in der öffentlichen Wahrnehmung allerdings ein bisschen ab. Nicht, weil er nicht auch in diesem Bereich mit massig Talent gesegnet wäre: Sein 2013er Album „Because the Internet“ mit seinen lässigen Hooklines und den herrlich ironischen Texten sollte in jeder gut sortierten Plattensammlung stehen (oder als Playlist beim Streamingdienst eures Vertrauens angelegt sein, wir haben schließlich 2017).

Auf dem im vergangenen Dezember erschienenen,  dritten Studioalbum „Awaken, My Love!“ lässt Childish Gambino seine nicht zu bestreitenden Rap-Skills jetzt aber mal im Schrank, holt dafür den Funk-Vorschlaghammer raus und liefert so nicht nur eine Hommage an Parliament, Sly and the Family Stone, Rick James und Prince – sondern auch sein bisher wohl persönlichstes, musikalisches Statement ab.

Ganz langsam geht es mit „Me and Your Mama“ los und Glover zaubert das erste Mal seine Falsettstimme aus dem Hut. Gegen Mitte des Songs eskaliert er dann zu einem intensiven ersten Höhepunkt, nur um kurz darauf wieder mit Hammond-Orgel und großem Chor runterzufahren. „California“ klingt ganz nach einer Parodie auf tropische Sounds und lässt mich nach der „Kokomo“-Single im Plattenregal suchen. Und plötzlich klingt der intensive Gesang ganz anders, wie unter großer Anstrengung durch die Zähne gepresst.

Bei meinem heimlichen Liebling „Redbone“ darf dann wieder die Kopfstimme ran und lullt mich gemeinsam mit dem langsam wabernden Basslauf wunderbar ein, bevor futuristische Gitarrensounds mich aufwecken. Perfektes Timing, wollte ich doch sowieso zu „Riot“ auf der nächsten Strandparty tanzen.

What the Funk?

Immer wieder gibt mir das Album das Gefühl „Irgendwo habe ich das schomal gehört“, ohne wirklich sagen zu können, wo (Was mir zuletzt beim „Justice“-Debüt-Album „Cross“ in dieser Regelmäßigkeit passiert ist und das ist immerhin auch schon fast zehn Jahre alt). Wie schon auf den ersten Childish-Gambino-Alben offenbart besonders das zweite und dritte Hören, wie überlegt, wie gut ausgeführt und wie wunderschön die Songs eigentlich sind.

Waren es bisher die schnellen Rap-Skills, unter denen sich der ganze Wortwitz und der unterschwellige Sarkasmus der Texte versteckten, ist es jetzt die einlullende Grundstimmung, die die eigentliche Stärke der Songs erst einmal verhüllt. Es scheint, als ob Donald Glover der Musik, die er eigentlich machen möchte, immer näherkommt. Es wird spannend zu sehen, was er auf dem Weg noch alles mitnimmt und wie er erst klingt, wenn er am Ziel angekommen ist.

„Awaken, My Love!“ ist am 2. Dezember 2016 auf Glassnote Records erschienen.

 

Bild: imago

Björn

Björn

Serienaficionado, Gamefanatic, Musiknerd und bekennendes Web 2.0-Opfer mit einer besonderen Vorliebe für jedweden Schwachsinn, den das Netz zu bieten hat.
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